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Wir vermessen den Mittelstand. Erste These: KI ist kaum ein Thema.

Wir beobachten laufend Tausende Firmen im Mittelstand und zählen nach, was sie veröffentlichen. Erste These aus 4.333 Stellenanzeigen: KI ist kaum ein Thema.

Jonas HöttlerJonas Höttler
Wir vermessen den Mittelstand. Erste These: KI ist kaum ein Thema. — Allgemeine Artikel

Wir vermessen den Mittelstand. Erste These: KI ist kaum ein Thema.

Über den Mittelstand wird viel gesagt und wenig gezählt. Wir zählen. Wir beobachten laufend Firmen in Deutschland und der Schweiz und lesen, was sie selbst veröffentlichen: ihre Website und die Technik dahinter, ihre Stellenanzeigen, ihre Einträge im Handelsregister. Je Firma sind das 26 Merkmale. Ausgewählt nach Branche, nicht nach einem Thema: Maschinenbau, Metallbau, Bau, Elektro, Zerspanung, Logistik, Steuerberatung, Aufzüge, Immobilien. Daraus entsteht ein breites Bild vom Zustand dieser Firmen, gemessen statt gehört.

Die kurze Antwort: Wir beobachten heute gut 3.000 Firmen, und es werden laufend mehr. Die erste These aus diesen Daten lautet: KI ist im Mittelstand kaum ein Thema. In 4.333 Stellenanzeigen steht sie neunmal als Aufgabe.

Was wir je Firma erfassen

3.041FirmenStand 06.10.2026, es werden laufend mehr
39.056gelesene SeitenWebsites und Karriereseiten
26Merkmale je Firmajedes mit Beleg oder als offen markiert
2,19 Mio.Firmen im Handelsregisteroffener Bestand, für Vergleiche
BereichWas wir erfassengeklärt bei
StammdatenBranche, Website, Ort, Rechtsform2.637 bis 3.041 Firmen
TechnikMailweg und Schutz gegen gefälschte Absender, Domain und Hosting, eingesetzte Systeme, Zertifikatslog1.738 bis 2.998 Firmen
WebsiteErreichbarkeit, Impressum, Redaktionssystem, Kunden-Login, Shop, Seitentext1.859 bis 3.007 Firmen
StellenKarriereseite, offene Stellen, Aufgaben und Anforderungen2.927 geprüft, 1.280 mit Anzeigen
Personen und StandorteGeschäftsführung, Standorte, Teamgröße305 bis 2.449 Firmen
BetriebKundenbranchen, Gründungsjahr, Zertifizierungen, Mitarbeiterzahl422 bis 1.488 Firmen
HandelsregisterGründung, Kapital, Geschäftsführung, wer die Firma vertreten darfoffener Bestand, 2,19 Mio. Firmen

Jede Firma durchläuft dieselben Schritte: Website bestätigen, Seiten lesen, Belege festhalten. Gezählt wird nur, was belegt ist. Was eine Firma nicht veröffentlicht, bleibt offen, etwa der Umsatz. Jede Auswertung schreiben wir mit Datum fest, deshalb ändern sich die Zahlen von Text zu Text: Man sieht, was sich bewegt. Keine Firmennamen, nur Summen.

Erste These: KI ist kaum ein Thema

Für die erste Auswertung haben wir die Stellenanzeigen gelesen, weil sie zeigen, wofür eine Firma heute Leute sucht.

4.333Stellenanzeigenvon 887 Firmen
20erwähnen KI überhauptjede einzeln gelesen
9mit KI als Aufgabe7 davon an einem Ablauf
1eigene KI-Stelleein AI Solutions Engineer

Von den 20 Anzeigen, in denen KI überhaupt vorkommt, sind elf Zufall oder Beiwerk: KI-generierte Fotos, Fußzeilen, ein Firmenporträt, und zweimal steht „AI“ für den Kanton Appenzell Innerrhoden. In den allermeisten Anzeigen ist KI schlicht kein Thema.

Dabei fehlt es nicht am Umgang mit Technik. Mehr als jede dritte Anzeige in der Produktion verlangt, CNC-Maschinen einzurichten und zu programmieren oder SPS-Steuerungen zu verstehen. KI als Aufgabe steht in keiner der 322 Anzeigen in der Produktion und in keiner der 396 für Montage, Service und Bau.

Fig. 1Wie oft CNC, SPS oder Programmieren in den Aufgaben steht
Produktion (322 Anzeigen)37 %
KI als Aufgabe: in keiner
Technik, Qualität, IT (210)17 %
Ausbildung (364)12 %
Montage, Service, Bau (396)8 %
KI als Aufgabe: in keiner
Büro (497)2 %
Anteil der Aufgabenbeschreibungen je Bereich, 2.445 Anzeigen mit erkanntem Aufgabenblock von 674 Firmen, über Stichwörter gezählt. Stand 06.10.2026.

Im Büro beschreiben drei von vier Anzeigen Routine: Termine planen, Rechnungen schreiben, Angebote ausarbeiten, Anfragen beantworten. Den Auftrag, Abläufe zu verbessern, gibt nur etwa jede neunte Anzeige, meist als „Mitwirkung“. KI als Aufgabe steht in zwei von 497.

Was ich daraus lese

Die Anzeigen zeigen, was gesucht wird. Was daraus folgt, ist meine Lesart, keine Messung.

Der Mittelstand tut zu wenig. Fähigkeiten, mit denen man einen Ablauf umbaut, statt ihn nur abzuarbeiten, werden kaum gefragt. Es wird weiterverwaltet. Und wo rationalisiert wird, heißt das oft: Eine Person soll ohne zusätzliche Hilfe mehr Arbeit erledigen. Das geht eine Weile gut, dann leidet die Qualität.

KI ändert daran nichts, solange niemand den Auftrag hat, einen Ablauf anzufassen. Wer etwas ändern will, fragt deshalb besser nicht zuerst, wen er einstellt, sondern welcher Ablauf die meiste Zeit frisst und wer ihn ändern darf.

So haben wir gezählt

  • Firmen: aktive Kapitalgesellschaften aus dem Handelsregister, deren Unternehmensgegenstand zur Branche passt (ohne Holdings, die größeren zuerst, nur mit bestätigter Website), dazu Metall-Innungen und OpenStreetMap in Oberbayern und ein Wirtschaftsnetzwerk in Luzern. Wo die Firmen ihre Größe nennen, haben sieben von zehn 50 und mehr Beschäftigte.
  • Anzeigen: nur die eigenen Karriereseiten, gleiche Texte zählen einmal, Anzeigen hinter Jobportalen fehlen. Herausgerechnet sind Stellenlisten, ein Personalvermittler, eine Hochschule, Beteiligungsgesellschaften und zwei Beratungen, die im Register unter einer falschen Branche stehen.
  • KI als Aufgabe: Jeder Text, in dem KI vorkommt, ist von Hand gelesen. Gezählt wird nur, wo KI eine Tätigkeit ist.
  • Grenzen: Die Auswahl ist nicht repräsentativ, und eine Anzeige ist nicht die Stelle. Stichwortzählungen sind eher Untergrenzen.

Die Auswertung geht weiter

Das ist kein einmaliger Bericht. Der Bestand wächst jeden Tag, und wir werten ihn laufend aus, aus immer neuen Richtungen. Weitergeführt wird die Auswertung an drei Stellen:

Schlagwörter

Mittelstand · Marktbeobachtung · KI · Stellenanzeigen · Daten