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API-Integration für KMU: Systeme verbinden ohne Chaos

Wie du CRM, ERP, Shop und Co. sinnvoll verbindest: Von Zapier bis Custom API. Praktischer Leitfaden mit Entscheidungshilfen und typischen Stolperfallen.

Jonas HöttlerJonas Höttler
29. Januar 2026
16 min Lesezeit
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API-Integration für KMU: Systeme verbinden ohne Chaos

API-Integration für KMU: Systeme verbinden ohne Chaos

"Unsere Systeme reden nicht miteinander" - einer der häufigsten Sätze, die wir von Mittelständlern hören. Das CRM weiß nichts vom ERP, der Shop nichts vom Lager, und dazwischen: Excel und Copy-Paste.

API-Integration löst das - wenn man es richtig macht.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist eine API (einfach erklärt)
  2. Die 3 Integrations-Ansätze
  3. Welcher Ansatz für welches Problem?
  4. Die häufigsten Integrationen
  5. Typische Stolperfallen
  6. Kosten und Aufwand
  7. Checkliste: So gehst du vor

Was ist eine API (einfach erklärt)

Die Kellner-Analogie

Stell dir ein Restaurant vor:

  • Du (System A): Willst Essen bestellen
  • Küche (System B): Kann Essen machen
  • Kellner (API): Nimmt deine Bestellung auf und bringt das Essen

Die API ist der standardisierte Weg, wie zwei Systeme miteinander kommunizieren - ohne dass du wissen musst, wie die Küche funktioniert.

Was APIs technisch machen

Dein CRM                           Dein ERP
    │                                  │
    └──── "Gib mir Kunde #123" ────────┤
    │                                  │
    ├──── { name: "Müller GmbH",  ◄────┘
    │       umsatz: 50000 }
    │

API-Aufruf (Request): "Gib mir Daten zu Kunde 123" API-Antwort (Response): Die angefragten Daten im strukturierten Format

Warum APIs wichtig sind

Ohne API:

  • Manuelle Dateneingabe in jedem System
  • Excel als "Integrations-Tool"
  • Fehler, Duplikate, veraltete Daten
  • Stunden verschwendet

Mit API:

  • Automatischer Datenaustausch
  • Echtzeit-Synchronisation möglich
  • Single Source of Truth
  • Zeit für wichtigere Dinge

Die 3 Integrations-Ansätze

Ansatz 1: iPaaS (Zapier, Make & Co.)

Was ist das? Integration Platform as a Service - fertige Plattformen, die Systeme verbinden.

Beispiele:

  • Zapier (Marktführer, am einfachsten)
  • Make (früher Integromat, mächtiger)
  • n8n (Open Source, self-hosted möglich)
  • Microsoft Power Automate

Wie es funktioniert:

Trigger: Neuer Kontakt in HubSpot
         ↓
Action 1: Erstelle Eintrag in Pipedrive
         ↓
Action 2: Füge zu Mailchimp-Liste hinzu
         ↓
Action 3: Sende Slack-Benachrichtigung

Vorteile:

  • ✅ Keine Programmierung nötig
  • ✅ Schnell eingerichtet (Minuten bis Stunden)
  • ✅ Viele vorgefertigte Verbindungen
  • ✅ Günstig für Start

Nachteile:

  • ❌ Begrenzte Logik-Möglichkeiten
  • ❌ Performance bei großen Datenmengen
  • ❌ Kosten skalieren mit Nutzung
  • ❌ Abhängigkeit vom Anbieter

Kosten:

PlattformFreeStarterPro
Zapier100 Tasks€24/Mo (750)€61/Mo (2k)
Make1000 Ops€9/Mo (10k)€16/Mo (40k)
n8n (Cloud)-€24/Mo€60/Mo

Ansatz 2: Native Integrationen

Was ist das? Vom Software-Anbieter selbst gebaute Verbindungen.

Beispiele:

  • HubSpot ↔ Salesforce (nativ)
  • Shopify ↔ Mailchimp (nativ)
  • Slack ↔ Google Drive (nativ)

Wie es funktioniert:

  • Im Einstellungsmenü aktivieren
  • Einmal verbinden (OAuth)
  • Daten fließen automatisch

Vorteile:

  • ✅ Vom Anbieter supported
  • ✅ Oft kostenlos inklusive
  • ✅ Tiefe Integration möglich
  • ✅ Wenig Wartung

Nachteile:

  • ❌ Nur vordefinierte Funktionen
  • ❌ Nicht alle Systeme verfügbar
  • ❌ Begrenzte Anpassbarkeit
  • ❌ Manchmal nur in teuren Plänen

Ansatz 3: Custom API-Integration

Was ist das? Maßgeschneiderte Entwicklung, die APIs direkt anspricht.

Wie es funktioniert:

# Beispiel: Kunde von CRM zu ERP synchronisieren kunde = crm_api.get_customer(123) erp_api.create_or_update_customer({ "name": kunde.name, "email": kunde.email, "umsatz": berechne_umsatz(kunde.orders) })

Vorteile:

  • ✅ Volle Flexibilität
  • ✅ Komplexe Logik möglich
  • ✅ Performance optimierbar
  • ✅ Keine Abhängigkeit von Drittanbietern

Nachteile:

  • ❌ Entwicklungskosten
  • ❌ Wartungsaufwand
  • ❌ Braucht technisches Know-how
  • ❌ Längere Umsetzungszeit

Kosten:

  • Einfache Integration: €2.000-€5.000
  • Mittlere Komplexität: €5.000-€15.000
  • Komplex (mehrere Systeme): €15.000-€50.000+

Welcher Ansatz für welches Problem?

Entscheidungsbaum

Gibt es eine native Integration?
    │
    ├─ Ja → Native nutzen (wenn sie ausreicht)
    │
    └─ Nein
        │
        ├─ Gibt es Zapier/Make-Connector?
        │   │
        │   ├─ Ja → Passt die Logik?
        │   │       │
        │   │       ├─ Ja → iPaaS nutzen
        │   │       │
        │   │       └─ Nein → Custom prüfen
        │   │
        │   └─ Nein → Custom Development
        │
        └─ Keine API vorhanden?
            │
            └─ Legacy-System → Middleware/Scraping prüfen

Vergleichs-Matrix

KriteriumiPaaSNativeCustom
Setup-ZeitStundenMinutenWochen
Kosten (Start)€-€€€€€
Kosten (Skalierung)€€€€-€€
FlexibilitätMittelNiedrigHoch
WartungGeringKeineMittel
PerformanceMittelHochHoch
Komplexe LogikEingeschränktNeinJa

Typische Szenarien

Szenario 1: CRM ↔ E-Mail-Marketing

  • Lösung: Native (meist verfügbar) oder Zapier
  • Aufwand: 1-4 Stunden
  • Kosten: €0-€50/Monat

Szenario 2: Shop ↔ ERP (Bestellungen)

  • Lösung: Native (wenn vorhanden) oder Custom
  • Aufwand: 1-4 Wochen
  • Kosten: €5.000-€20.000 (einmalig)

Szenario 3: Mehrere Systeme synchron halten

  • Lösung: Custom (Hub-Architektur)
  • Aufwand: 2-6 Monate
  • Kosten: €30.000-€100.000

Die häufigsten Integrationen

1. CRM ↔ E-Mail-Marketing

Use Case: Kontakte automatisch zu Newsletter-Listen hinzufügen.

Typischer Flow:

Neuer Lead im CRM
    ↓
Segment-Zuordnung (nach Kriterien)
    ↓
Zur passenden E-Mail-Liste hinzufügen
    ↓
Willkommens-Sequenz starten

Empfehlung: Native oder Zapier

2. Shop ↔ Lager/ERP

Use Case: Bestellungen automatisch ans Lager melden, Bestand synchronisieren.

Typischer Flow:

Neue Bestellung im Shop
    ↓
Erstelle Auftrag im ERP
    ↓
Reserviere Lagerbestand
    ↓
Aktualisiere Shop-Verfügbarkeit
    ↓
Bei Versand: Tracking-Info zum Shop

Empfehlung: Custom (zu kritisch für Zapier)

3. Website-Formulare ↔ CRM

Use Case: Leads automatisch ins CRM.

Typischer Flow:

Formular abgesendet
    ↓
Lead im CRM anlegen
    ↓
Lead-Score berechnen
    ↓
Vertrieb benachrichtigen

Empfehlung: Zapier/Make (perfekter Use Case)

4. Buchhaltung ↔ Bank

Use Case: Transaktionen automatisch importieren.

Typischer Flow:

Neue Bankbewegung
    ↓
Automatisches Matching mit Rechnungen
    ↓
Buchungsvorschlag erstellen
    ↓
Zur Prüfung markieren

Empfehlung: Native (DATEV, lexoffice haben das oft)

5. Helpdesk ↔ CRM

Use Case: Support-Tickets mit Kundenkontext anreichern.

Typischer Flow:

Neues Ticket
    ↓
Kunde im CRM identifizieren
    ↓
Kundenhistorie anzeigen
    ↓
Bei Eskalation: Account Manager informieren

Empfehlung: Native (Zendesk ↔ Salesforce) oder Zapier


Typische Stolperfallen

Stolperfalle 1: Duplikate

Das Problem: System A erstellt Kunde. System B erstellt gleichen Kunden. Jetzt hast du ihn doppelt.

Die Lösung:

  • Eindeutige IDs verwenden (nicht Name/E-Mail)
  • "Upsert"-Logik (Update if exists, Insert if not)
  • Master-System definieren (Single Source of Truth)

Stolperfalle 2: Datenkonflikte

Das Problem: Kundendaten werden in beiden Systemen geändert. Wer gewinnt?

Die Lösung:

  • Klare Regeln: "CRM ist Master für Kontaktdaten"
  • Timestamps vergleichen (neueste gewinnt)
  • Oder: Bidirektionale Sync nur für bestimmte Felder

Stolperfalle 3: API-Rate-Limits

Das Problem: Zu viele Anfragen → API blockiert.

Typische Limits:

SystemLimit
HubSpot100/10 Sek
Shopify2/Sek
Salesforce100k/Tag

Die Lösung:

  • Batch-Verarbeitung (mehrere Datensätze pro Call)
  • Queues und Retry-Logik
  • Sync zu verkehrsarmen Zeiten

Stolperfalle 4: Fehlende Fehlerbehandlung

Das Problem: Integration funktioniert - bis sie es nicht tut. Und niemand merkt es.

Die Lösung:

  • Monitoring einrichten
  • Alerts bei Fehlern (Slack, E-Mail)
  • Regelmäßige Prüfung der Sync-Status
  • Logging für Debugging

Stolperfalle 5: Überkomplizierte Architektur

Das Problem: Jedes System mit jedem verbunden = Wartungs-Hölle.

Schlecht:
CRM ←→ ERP
 ↕      ↕
Shop ←→ Marketing
 ↕
Lager

Die Lösung: Hub-and-Spoke-Architektur:

Besser:
         CRM
          ↕
ERP ←→ [HUB] ←→ Marketing
          ↕
        Shop
          ↕
        Lager

Kosten und Aufwand

Kostenübersicht nach Ansatz

iPaaS (Zapier/Make):

KomplexitätSetupMonatlich
Einfach (2 Systeme)€0-€500€20-€100
Mittel (3-5 Systeme)€500-€2.000€100-€300
Komplex (viele Systeme)€2.000-€5.000€300-€1.000

Custom Development:

KomplexitätEinmaligWartung/Jahr
Einfach€3.000-€8.000€1.000-€2.000
Mittel€8.000-€25.000€3.000-€5.000
Komplex€25.000-€80.000€5.000-€15.000

ROI-Beispiel

Ausgangssituation:

  • Manuelle Datenübertragung: 2h/Tag
  • Mitarbeiterkosten: €30/h
  • Fehlerquote: 5% → €500/Monat Korrekturaufwand

Kosten manuell:

  • 2h × €30 × 22 Tage = €1.320/Monat
  • Plus Fehlerkorrektur: €500/Monat
  • Gesamt: €1.820/Monat

Kosten mit Integration:

  • Setup (Custom): €15.000 (einmalig)
  • Wartung: €300/Monat

Break-Even: 10 Monate Ersparnis nach 3 Jahren: €50.000+


Checkliste: So gehst du vor

Phase 1: Bestandsaufnahme

  • Alle Systeme auflisten
  • Datenflüsse dokumentieren (wer braucht was von wem?)
  • Manuelle Prozesse identifizieren
  • Schmerzpunkte priorisieren

Phase 2: Lösungsauswahl

  • Native Integrationen prüfen
  • iPaaS-Möglichkeiten evaluieren
  • Custom-Aufwand schätzen lassen
  • Kosten über 3 Jahre vergleichen

Phase 3: Implementation

  • Mit einem Use Case starten (nicht alles auf einmal)
  • Testumgebung nutzen
  • Fehlerbehandlung einbauen
  • Monitoring einrichten

Phase 4: Betrieb

  • Dokumentation erstellen
  • Verantwortlichkeiten klären
  • Regelmäßige Reviews planen
  • Skalierung vorbereiten

Fazit

API-Integration ist kein Hexenwerk - aber auch kein Selbstläufer. Die richtige Strategie:

  1. Starte einfach: Zapier/Make für erste Automatisierungen
  2. Nutze Native: Wenn vorhanden und ausreichend
  3. Investiere in Custom: Für geschäftskritische Prozesse
  4. Denke langfristig: Hub-Architektur statt Spaghetti

Der größte Fehler? Zu lange warten und weiter manuell arbeiten.


Nächste Schritte

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