Business Intelligence für Geschäftsführer: Dashboards, die wirklich helfen
Wie Geschäftsführer Dashboards sinnvoll nutzen: Welche KPIs wirklich zählen, welche Tools passen und wie du von Datenflut zu klaren Entscheidungen kommst.

Business Intelligence für Geschäftsführer: Dashboards, die wirklich helfen
Die meisten Dashboards sind nutzlos. 50 Kennzahlen, bunte Charts, niemand schaut drauf. Der CEO fragt weiter per E-Mail nach Zahlen, weil er dem Dashboard nicht traut.
So sollte es nicht sein. Ein gutes Dashboard beantwortet in 30 Sekunden: "Wie steht das Unternehmen?" - und zeigt, wo Handlungsbedarf besteht.
Inhaltsverzeichnis
- Warum die meisten Dashboards scheitern
- Die richtigen KPIs für die Geschäftsführung
- Dashboard-Architektur: Was wirklich drauf muss
- Tool-Vergleich: Was passt zu wem?
- So baust du ein Dashboard, das genutzt wird
- Kosten und Aufwand
- Checkliste für dein Management-Dashboard
Warum die meisten Dashboards scheitern
Problem 1: Zu viele Metriken
Symptom: 50+ KPIs auf einem Bildschirm.
Warum es passiert:
- "Wir haben die Daten, also zeigen wir sie"
- Jede Abteilung will ihre Zahlen prominent
- Niemand entscheidet, was wirklich wichtig ist
Das Ergebnis: Informationsüberflutung. Niemand erkennt, was wichtig ist.
Die Lösung: Maximal 7-10 KPIs auf dem Hauptdashboard.
Problem 2: Falsche Granularität
Symptom: Der CEO sieht die gleichen Zahlen wie der Teamleiter.
Warum es passiert:
- Ein Dashboard für alle
- Keine Rollendefinition
- "Mehr Detail ist besser"
Das Ergebnis: CEO verliert sich in Details, Teamleiter vermisst Kontext.
Die Lösung: Drill-Down statt Drill-Everywhere. Übersicht → Detail bei Bedarf.
Problem 3: Keine Handlungsrelevanz
Symptom: "Interessant, aber was soll ich damit machen?"
Warum es passiert:
- Fokus auf Ist-Zustand, nicht auf Abweichungen
- Keine Schwellwerte definiert
- Kein Kontext (Vergleich, Trend, Ziel)
Das Ergebnis: Dashboard wird zur Wanddekoration.
Die Lösung: Jede Metrik braucht Kontext: Ziel, Vergleich, Trend, Alert.
Problem 4: Daten, denen niemand traut
Symptom: "Die Zahlen stimmen doch gar nicht."
Warum es passiert:
- Datenquellen inkonsistent
- Keine klare Definition der Metrik
- Verschiedene Systeme, verschiedene Wahrheiten
Das Ergebnis: Zurück zu Excel und manuellen Reports.
Die Lösung: Single Source of Truth. Klare Definitionen. Datenqualität sicherstellen.
Die richtigen KPIs für die Geschäftsführung
Das Framework: 4 Perspektiven
Ein gutes Management-Dashboard deckt vier Perspektiven ab:
| Perspektive | Frage | Beispiel-KPIs |
|---|---|---|
| Finanzen | Wie profitabel sind wir? | Umsatz, EBIT, Cashflow |
| Kunden | Wie zufrieden sind Kunden? | NPS, Churn, Customer Lifetime Value |
| Prozesse | Wie effizient arbeiten wir? | Durchlaufzeit, Fehlerquote |
| Wachstum | Wie entwickeln wir uns? | Pipeline, Conversion, Mitarbeiterwachstum |
Die wichtigsten KPIs nach Unternehmenstyp
SaaS / Subscription Business:
| KPI | Was es misst | Zielwert |
|---|---|---|
| MRR/ARR | Wiederkehrender Umsatz | Wachstum >10%/Monat (früh) |
| Churn Rate | Kundenabwanderung | <2%/Monat (B2B) |
| CAC | Kundenakquisekosten | <1/3 des LTV |
| LTV | Customer Lifetime Value | >3x CAC |
| NRR | Net Revenue Retention | >100% |
E-Commerce:
| KPI | Was es misst | Zielwert |
|---|---|---|
| GMV | Bruttowarenvolumen | Branchenabhängig |
| Conversion Rate | Besucher → Käufer | 2-4% |
| AOV | Durchschnittlicher Bestellwert | Steigend |
| CAC | Kundenakquisekosten | <1. Bestellwert |
| Repeat Purchase Rate | Wiederkäufer | >30% |
Dienstleistung / Agentur:
| KPI | Was es misst | Zielwert |
|---|---|---|
| Umsatz pro Mitarbeiter | Produktivität | >€150k/Jahr |
| Auslastung | Fakturierbare Zeit | >75% |
| Projektmarge | Rentabilität | >30% |
| Pipeline | Zukünftiger Umsatz | >3x Monatsumsatz |
| Mitarbeiterfluktuation | Retention | <15%/Jahr |
Produktion / Handel:
| KPI | Was es misst | Zielwert |
|---|---|---|
| Umsatz | Gesamtleistung | Plan vs. Ist |
| Rohertrag | Marge nach Wareneinsatz | Branchenabhängig |
| Lagerumschlag | Kapitalbindung | >6x/Jahr |
| Lieferperformance | Termintreue | >95% |
| Fehlerquote | Qualität | <1% |
Die "Ach Scheiße"-Metrik
Jede Branche hat KPIs, die sofort Alarm auslösen sollten:
| Branche | "Ach Scheiße"-Metrik |
|---|---|
| SaaS | Churn > 5%/Monat |
| E-Commerce | ROAS < 1 (Werbung verbrennt Geld) |
| Agentur | Auslastung < 60% |
| Produktion | Cash-Reichweite < 3 Monate |
Diese gehören auf das Dashboard - mit rotem Alert.
Dashboard-Architektur: Was wirklich drauf muss
Ebene 1: Das Executive Summary (1 Bildschirm)
Ziel: In 30 Sekunden verstehen, wie es steht.
Inhalt:
┌─────────────────────────────────────────────────┐
│ EXECUTIVE DASHBOARD Jan 2025│
├─────────────────────────────────────────────────┤
│ │
│ Umsatz MTD Pipeline Cashflow │
│ €487k €1.2M €340k │
│ ↑ 12% vs Plan ↓ 8% vs Vormonat ✓ Healthy │
│ │
├─────────────────────────────────────────────────┤
│ ⚠️ ALERTS │
│ • Churn in Enterprise: 2 Kunden at risk │
│ • Projekt ABC: Deadline gefährdet │
│ │
├─────────────────────────────────────────────────┤
│ 📊 TREND (letzte 12 Monate) │
│ [Umsatz-Chart mit Trendlinie] │
│ │
└─────────────────────────────────────────────────┘
Ebene 2: Bereichs-Dashboards (Drill-Down)
Bei Klick auf "Umsatz" → Sales Dashboard Bei Klick auf "Pipeline" → CRM Dashboard Bei Klick auf Alert → Detail-Ansicht
Ebene 3: Operative Details (für Teamleiter)
- Einzelne Deals
- Mitarbeiter-Performance
- Projekt-Details
Das "Alert-First"-Prinzip
Statt: 50 Metriken anzeigen und hoffen, dass jemand Abweichungen bemerkt.
Besser: Alerts prominent, Details bei Bedarf.
Wenn Metrik X vom Ziel abweicht > Y%
→ Rote Markierung
→ Benachrichtigung (optional)
→ Zur Detailanalyse verlinken
Tool-Vergleich: Was passt zu wem?
Übersicht
| Tool | Stärke | Kosten | Für wen? |
|---|---|---|---|
| Power BI | Microsoft-Integration | €8/User/Mo | Microsoft-Umgebung |
| Tableau | Visualisierung | €70/User/Mo | Daten-intensive Firmen |
| Looker | Google-Integration | Custom | GCP-Nutzer |
| Metabase | Open Source | €0-85/Mo | Startups, Tech-affin |
| Google Data Studio | Kostenlos | €0 | Marketing, einfache Fälle |
| Databox | Aggregation | €72/Mo | Agenturen, Marketing |
Tool-Empfehlung nach Szenario
"Wir nutzen Microsoft 365" → Power BI
- Native Integration
- Vertraute Oberfläche
- Günstiger Einstieg
"Wir sind ein Tech-Startup" → Metabase
- Open Source
- Entwickler können beitragen
- Flexibel
"Wir brauchen es einfach und schnell" → Google Data Studio
- Kostenlos
- Einfache Verbindung zu Google-Tools
- Limitiert bei komplexen Datenquellen
"Wir haben komplexe Daten" → Tableau oder Looker
- Mächtige Visualisierung
- Komplexe Berechnungen
- Höhere Kosten gerechtfertigt
Was du wirklich brauchst
Minimum:
- Verbindung zu deinen Datenquellen (CRM, ERP, etc.)
- Automatische Aktualisierung
- Teilen mit Team
Nice-to-have:
- Mobile App
- Alerts/Benachrichtigungen
- Embedding in andere Tools
Overkill für die meisten:
- ML-Integration
- Real-time Updates (Minuten reichen)
- Self-Service für alle Mitarbeiter
So baust du ein Dashboard, das genutzt wird
Schritt 1: Ziele definieren (vor dem Tool!)
Fragen, die du beantworten musst:
- Welche Entscheidungen soll das Dashboard unterstützen?
- Wer sind die Nutzer? (CEO ≠ Sales Manager)
- Wie oft wird drauf geschaut? (täglich vs. wöchentlich)
- Was sind die 3-5 wichtigsten Fragen?
Beispiel:
Entscheidungen:
- Wo investieren wir Marketing-Budget?
- Müssen wir Vertrieb verstärken?
- Ist unsere Cash-Position gesund?
Nutzer: CEO, CFO, Sales-Leiter
Frequenz: Täglich kurzer Check, wöchentliches Deep-Dive
Top-Fragen:
1. Erreichen wir unser Umsatzziel?
2. Wie entwickelt sich die Pipeline?
3. Welche Kunden sind at risk?
Schritt 2: Datenquellen konsolidieren
Typische Quellen:
- CRM (Salesforce, HubSpot, Pipedrive)
- Buchhaltung (DATEV, lexoffice)
- Bank (Kontobewegungen)
- Shop (Shopify, WooCommerce)
- Analytics (GA4, Amplitude)
Die Herausforderung: Daten zusammenbringen.
Optionen:
- Direkte Connectoren (einfach, aber begrenzt)
- ETL-Tools (Fivetran, Airbyte) → Data Warehouse
- Custom Scripts (flexibel, aber Wartung)
Schritt 3: KPIs definieren (präzise!)
Schlecht: "Umsatz" Gut: "Netto-Umsatz nach Retouren, in EUR, gebucht nach Leistungsdatum"
Jeder KPI braucht:
- Name
- Definition (exakt)
- Datenquelle
- Berechnungslogik
- Zielwert
- Verantwortlicher
Schritt 4: Visualisierung gestalten
Regeln für gute Dashboards:
- Konsistenz: Gleiche Farben für gleiche Bedeutung
- Hierarchie: Wichtiges oben/links
- Vergleichbarkeit: Aktuell vs. Plan vs. Vorjahr
- Whitespace: Nicht alles vollstopfen
- Beschriftung: Jeder muss verstehen, was er sieht
Chart-Auswahl:
| Zweck | Chart-Typ |
|---|---|
| Trend über Zeit | Liniendiagramm |
| Vergleich | Balkendiagramm |
| Teil vom Ganzen | Kreisdiagramm (sparsam!) |
| Ziel vs. Ist | Bullet Chart |
| Einzelwert | Big Number |
Schritt 5: Testen und iterieren
Woche 1-2: Prototyp bauen, mit 2-3 Nutzern testen Woche 3-4: Feedback einarbeiten, verfeinern Monat 2: Rollout an alle, Training Laufend: Monatliches Review - wird es genutzt?
Kosten und Aufwand
Kostenübersicht
DIY (intern):
| Posten | Aufwand/Kosten |
|---|---|
| Tool (z.B. Metabase) | €0-€100/Monat |
| Interner Aufwand | 40-80h einmalig |
| Laufende Pflege | 4-8h/Monat |
Mit externem Partner:
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Tool-Lizenz | €100-€500/Monat |
| Setup + Entwicklung | €10.000-€30.000 |
| Laufende Betreuung | €500-€2.000/Monat |
ROI-Betrachtung
Was kostet es, KEIN Dashboard zu haben?
- CEO fragt Controller nach Zahlen: 2h/Woche × €100/h = €800/Monat
- Entscheidungen auf Bauchgefühl: unkalkulierbar, aber teuer
- Probleme zu spät erkannt: €10.000-€100.000+ pro Fall
Break-Even: Oft innerhalb von 3-6 Monaten.
Checkliste für dein Management-Dashboard
Vor dem Start
- Entscheider identifiziert (wer nutzt es?)
- Top 5 Fragen definiert
- Datenquellen gelistet
- Budget geklärt
- Tool ausgewählt
Bei der Umsetzung
- KPIs präzise definiert
- Datenqualität geprüft
- Zielwerte festgelegt
- Alerts konfiguriert
- Mobil-Zugang eingerichtet
Nach dem Launch
- Nutzung monitoren (wird es genutzt?)
- Feedback sammeln (monatlich)
- KPIs anpassen bei Bedarf
- Datenqualität laufend prüfen
Fazit
Ein gutes Management-Dashboard ist nicht das mit den meisten Charts - sondern das, das in 30 Sekunden zeigt, was wichtig ist.
Die Essenz:
- Weniger ist mehr: 7-10 KPIs, nicht 50
- Kontext ist King: Ziel, Trend, Vergleich
- Alert-First: Abweichungen prominent
- Datenqualität: Vertrauen ist Grundlage
- Nutzung messen: Dashboard ohne Nutzer ist nutzlos
Nächste Schritte
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